HarmoS: Ein Meilenstein im Schweizer Bildungswesen

Veröffentlicht am: 14:23:09 14.03.2009

HarmoS: Ein Meilenstein im Schweizer Bildungswesen

Mirjam Arnold, Mitglied des Vorstands JCVP Schweiz

Nachdem nun auch der Kanton Nidwalden nein zum HarmoS Konkordat gesagt hat, wird dessen Einführung noch länger auf sich warten lassen. 10 Kantone müssen einem Beitritt zustimmen. Im Kanton Bern wird wohl als nächstem Kanton darüber abgestimmt und in Genf läuft noch immer die Referendumsfrist. Es bleibt also zu hoffen, dass das HarmoS Konkordat schon bald definitiv in Kraft treten kann.  Das Schweizer Bildungswesen im Bereich der obligatorischen Schulzeit wird damit mit diversen Grundpfeilern einheitlicher gestaltet.

Konkret bedeutet dies den Schuleintritt mit 4 Jahren. Das Kind wird so langsam in die Schule eingeführt – je nach seinen Fähigkeiten und seiner Reife. Dieser Schuleintritt wird in Form eines Kindergartens oder einer Eingangsstufe gewährleistet. Weiter wird ein Schulobligatorium von 11 Jahren vorausgesetzt. Dieses setzt sich aus acht Jahren Primarstufe (inkl. Kindergarten oder Eingangsstufe) sowie drei Jahre der Sekundarstufe zusammen. Zudem wird die Grundbildung einheitlich gestaltet. Zu den Fachbereichen der Grundbildung gehören Sprachen, die die Schulsprache, eine 2. Landessprache sowie eine weitere Fremdsprache (Englisch) beinhalten, Mathematik und Naturwissenschaften, Musik / Kunst und Gestaltung, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Bewegung und Gesundheit. Der Sprachunterricht wird folgendermassen gestaltet: die erste Fremdsprache wird ab dem 5. Schuljahr unterrichtet (dies ist heute die 3. Primarklasse) und spätestens im 7. Schuljahr folgt die zweite Fremdsprache. Ziel ist es, dass in beiden Sprachen dasselbe Niveau erreicht wird. Zur Prüfung der Erreichung der Standards und deren Qualität überprüft die EDK diese auf nationaler Ebene.
 
Die Annahme, HarmoS führe auch Blockzeiten und Tagesstrukturen ein, ist falsch. Die Kantone verpflichten sich lediglich dazu, die Unterrichtszeit der Primarschulstufe in Blockzeiten zu organisieren und entsprechende Tagesstrukturen anzubieten. Diese ist aber sekundär und darf beitragspflichtig sein. Hier soll es möglich sein, unterschiedliche Angebote, je nach Bedarf anzubieten. Wie aus einer Medienmitteilung der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen EKFF vom 05. Februar 2009 hervorgeht, ist das Betreuungsangebot der Schweiz nach wie vor eines der schwächsten der OECD-Ländern. HarmoS kann also nur ein erster Schritt sein in die Richtung einer zukunftsorientierten Investition in die Gesellschaft. Das Angebot an Kindertagesstätten ist zu klein und zu teuer. Gerade deshalb ist es wichtig ein Angebot zu schaffen, das den Mittelstand entlastet und Familien, zum Beispiel mit Migrationshintergrund, die Möglichkeit bietet ihre Kinder tagsüber in professionellen Betreuungseinrichtungen zu wissen. Nicht nur würde einem Haushalt die Möglichkeit geboten, einer zweiten Erwerbstätigkeit nachzugehen; auch eine bessere Integration würde erreicht. Dadurch könnten soziale Ungerechtigkeiten im Bildungswesen schon früh verhindert und spätere Kosten, die von sozialen Probleme herzuleiten sind, würden reduziert.
 
Seit der Industrialisierung sind Mütter nicht allein für die Erziehung der Kinder verantwortlich, damals war dies die Aufgabe von anderen Familienmitgliedern, z.B. der Grosseltern. Heute wird sofort von "Rabenmüttern" gesprochen, wenn Kinder in Kindertagesstätten betreut werden. Doch ist es nicht eine Chance für Kind und Mutter? Dem Kind wird die Möglichkeit geboten, schon früh mit Gleichaltrigen auszukommen. Dabei kann es schon früh Sozialkompetenzen entwickeln, die es im späteren Berufsleben zu seinem Vorteil nutzen kann. Der Mutter hingegen wird die Möglichkeit geboten, schon sehr bald wieder in den Berufsalltag einzusteigen und so nicht vom Arbeitsmarkt vollständig isoliert zu werden. Obwohl Jobsharing schon weit verbreitet ist, besteht auch hier noch Handlungsbedarf. Die Wirtschaft muss flexibler werden und jungen Müttern, trotz Haushalt, Karrieremöglichkeiten anbieten. 




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